
von links nach rechts Daniel Hope Music Director Violine Johannes von Ballestrem Klavier Seon Deok Baik Bass Dimitri Monstein Schlagwerk
Besetzung:
Daniel Hope (Music Director) Thomas Hampson (Bariton)
Johannes von Ballestrem (Klavier) Dimitri Monstein (Schlagzeug)
Zürcher Kammerorchester
Programm:
Aaron Copland Hoe-Down, aus: Rodeo für Streichorchester
Leonard Bernstein America, aus: West Side Story-Suite, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Jessie Montgomery Starburst für Streichorchester
Florence Price Adoration, bearbeitet für Violine und Streichorchester von Paul Bateman
Stephen Foster Beautiful Dreamer, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Harold Arlen Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
Bernard Herrmann Vertigo-Suite, bearbeitet für Violine, Klavier, Streichorchester und Perkussion von Paul Bateman
Kurt Weill Medley, bearbeitet für Violine, Bariton und Streichorchester von Paul Bateman
George Gershwin Song-Suite, bearbeitet für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester von Paul Bateman
Eine Reise durch das alte Amerika – Silvester im KKL Luzern
Glanz, Erwartung – und dann Substanz
Silvesterkonzerte tragen oft die Bürde, mehr zu versprechen als sie halten können: Glanz, Leichtigkeit, Unterhaltung – und bitte nicht zu viel Tiefgang. Das Silvesterkonzert des Zürcher Kammerorchesters im ausverkauften KKL Luzern am 31. Dezember 2025 widerlegte diese Erwartung mit Nachdruck. Unter der musikalischen Leitung von Daniel Hope, der zugleich als Solist agierte, wurde der Abend zu einer klug kuratierten, berührenden und hochklassigen Reise durch ein Amerika der Musikgeschichte – eines, das heute fast schon wie ein Sehnsuchtsort wirkt.
Amerikanische Klanglandschaften vor der Pause
Bereits das Programm vor der Pause spannte einen weiten, aber stimmigen Bogen. Aaron Coplands „Rodeo“, hier in der Fassung für Streichorchester, eröffnete den Abend mit tänzerischer Energie und transparenter Rhythmik. Das Zürcher Kammerorchester spielte mit federnder Präzision, ohne je ins Rustikale abzugleiten.
Zeitgenössische Energie und stille Innigkeit
Einen der stärksten Kontraste lieferte Jessie Montgomerys „Starburst“: pulsierend, dicht, elektrisierend. Die Streicher glühten, die Energie sprang förmlich über – ein zeitgenössisches Statement, das sich selbstverständlich in den historischen Kontext einfügte. Umso eindringlicher wirkte danach Florence Prices „Adoration“: eine wunderbar feine, ruhige, zutiefst ergreifende Musik. Eine konzentrierte Stille eroberte den KKL-Saal!
Leonard Bernsteins „America“ aus der „West Side Story„ setzte darauf einen schillernden Akzent zwischen Broadway, Jazz und sinfonischer Geste – pointiert, rhythmisch scharf, mit hörbarem Vergnügen musiziert.
Songs, Stimmen und ein Hauch Hollywood
Mit Stephen Fosters „Beautiful Dreamer“, interpretiert von Thomas Hampson, betrat ein weiterer Fixstern des Abends die Bühne. Der Bariton gestaltete das Lied mit großer Noblesse, warmem Timbre und jener altersweisen Gelassenheit, die nicht sentimental, sondern wahrhaftig wirkt. Das anschließende Harold-Arlen-Medley – Somewhere Over the Rainbow, Let’s Fall in Love, I’ve Got the World on a String – verband Violine, Bariton und Streichorchester zu einem schwebenden Klangbild zwischen Hollywood-Glamour und melancholischer Rückschau.
Nach der Pause: Abgründe und große Gefühle
Nach der Pause wechselte die Stimmung – ohne den roten Faden zu verlieren. Bernard Herrmanns „Vertigo Suite“ (Prelude, The Nightmare, Scene d’Amour) entfaltete ihre hypnotische Sogwirkung mit dunkler Eleganz. Daniel Hope formte lange Spannungsbögen, ließ die Musik atmen und schuf jene unterschwellige Unruhe, die Hitchcocks Filmklassiker so unvergesslich macht.
Weill, Gershwin – und ein Ensemble in Hochform
Es folgten Medleys von Kurt Weill (Speak Low, It Never Was You, Westwind, Mack the Knife) und schließlich die große George-Gershwin-Song-Suite, arrangiert für Violine, Jazz-Trio und Streichorchester. Hier erreichte der Abend seinen überschäumenden Höhepunkt. Besonders hervorzuheben sind neben den Solisten auch Johannes von Ballestrem am Klavier, Dimitri Monstein an der Perkussion und die Kontrabassistin Seon-Deok Baik – sie alle waren ein absolutes Highlight, rhythmisch präzise, stilistisch souverän und mit spürbarer Spielfreude.
Ein Amerika, das nachklingt
Daniel Hopes Ansagen zwischen den Werken waren locker, informativ und angenehm frei von Pathos. Sie halfen, das Konzert als das zu verstehen, was es war: eine musikalische Zeitreise durch ein „altes Amerika“, reich an Vielfalt, Widersprüchen, Hoffnung und künstlerischer Kraft – ein Amerika, wie man es sich heute kaum noch vorstellen kann…
Begeisterung, Zugaben und ein Lächeln zum Jahresende
Am Ende verließ ein sichtlich begeistertes Publikum den Saal: mit Lächeln im Gesicht, innerlich gelockert, beschwingt. Die zwei großzügigen Zugaben setzten dem Abend die Krone auf. Ein Silvesterkonzert, das nicht nur unterhielt, sondern motivierte – ein fulminanter Jahresabschluss mit Nachhall für das kommende Jahr.
Text: www.maxthuerig.ch
Fotos: MaxThürig www.zko.ch Homepage von https://thomashampson.com/
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